Ratgeber Versicherungen und Finanzen

Terrorversicherungen sind gefragt wie nie zuvor

Für Hausbesitzer ist es zumindest versicherungsrechtlich gesehen kein Problem: Die meisten Wohngebäudeversicherungen enthalten eine Absicherung vor den Folgen von Terroranschlägen.
Das sieht jedoch bei gewerblich genutzten Immobilien ganz anders aus: Sie müssen hierfür eine separate Versicherung abschließen. Auch die Veranstalter von großen Events sind durch die jüngsten Anschläge aufgeschreckt: Die bislang obligatorischen Ausfallversicherungen, die immer dann einsprangen, wenn beispielsweise ein Konzert wegen eines Feuer- oder Wasserschadens oder weil der Künstler plötzlich erkrankt war, abgesagt werden musste, reichen vielen nicht mehr aus. Mit jedem Anschlag steigt die Nachfrage nach diesem Versicherungstyp sprunghaft an.

Terrorversicherungen haben ein gutes Wachstumspotenzial

Es mag zynisch erscheinen, aber letztendlich tut eine Terrorversicherung nichts anderes als jede andere Versicherung, die eine mögliche Schädigung abdeckt: Sobald Kunden ein Risiko erkennen, das ihnen einen spürbaren wirtschaftlichen Schaden zufügen kann, entsteht der Wunsch nach einer adäquaten Absicherung. Davon profitieren in diesem Fall die Marktführer auf dem Gebiet der Terrorversicherungen: Die Lloyd’s of London hat hier weltweit die Nase vorn, auf dem deutschen Markt ist die Allianz mit ihrer Tochterfirma Allianz Global Corporate & Speciality (AGCS) noch relativ neu im Geschäft. Unter dem Oberbegriff „Terror“ können dabei Risiken wie z. B. Kriege, Aufstände oder Bürgerkriege zusammengefasst werden – ganz so, wie es der jeweilige Kunde wünscht. Vor allem international operierende Unternehmen mit auf der ganzen Welt verteilten Produktionsstandorten sind an Terrorversicherungen interessiert. Die Höhe der Prämien wird einzeln ausgehandelt und nicht nach außen kommuniziert. Sie wird im Wesentlichen durch den Wert der Anlage, das mutmaßliche Risiko sowie den Umfang der versicherten Schäden bestimmt.
Doch auch die Assekuranzen tun etwas anderes, als die Nachrichten zu verfolgen, um anhand der sich täglich ändernden Krisenlage ihre Policen und die Höhe der Beiträge anzupassen. Sie haben die Risikoabschätzung in externe Hände gegeben und arbeiten mit internationalen Dienstleistern aus dem Bereich des Krisenmanagements zusammen, die ständig die Sicherheitslage rund um den Globus beobachten und analysieren. Ihre Einschätzung ist für die Festlegung der Beiträge, die für eine Terrorversicherung gezahlt werden müssen, unerlässlich.

Wenn Anschläge innerhalb Deutschlands versichert werden sollen, ist hierfür die EXTREMUS Versicherungs-AG die erste Adresse. Dieser Zusammenschluss von 16 deutschen Assekuranzen, allen voran die Allianz und die Munich Re mit je 16 % Geschäftsanteil, wurde unter den Eindrücken der Terroranschläge von New York am 11. September 2001 im Jahr 2002 gegründet. EXTREMUS hat sich auf Großrisiken durch Terroranschläge spezialisiert, die eine Versicherungssumme von mehr als 25 Millionen Euro abdecken. Interessant ist dabei, dass EXTREMUS pro Jahr für durch Terroranschläge verursachte Schäden 2,5 Milliarden Euro bereithält und der Bund hierfür zusätzliche 7,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellt. Für jedes Einzelrisiko werden bis zu 1,5 Milliarden Euro gezahlt.
Bis heute haben immerhin 1.300 Kunden eine solche Großversicherung bei der EXTREMUS abgeschlossen.

Auch für Veranstalter werden Terrorversicherungen offenbar immer attraktiver. Dabei zeigen nicht nur Unternehmen Interesse, die Großveranstaltungen planen, sondern auch immer öfter Kunden, die eine Hochzeit oder eine Firmenfeier organisieren wollen. Hier geben der Ort und die Art der Veranstaltung den Ausschlag über die Höhe des Versicherungsbeitrags.

Dann springt eine Terrorversicherung ein

Damit der Versicherer zahlt, genügt es nicht, dass ein Veranstalter oder Firmeninhaber eine Ahnung hat, dass ein Anschlag passieren könnte. Hier kommt es darauf an, dass öffentliche Stellen eine Terrorwarnung aussprechen und damit den Anlass dafür geben, beispielsweise eine Veranstaltung abzusagen oder ein Produktionsgebäude zu evakuieren und die Produktion zu stoppen. Andere Versicherungsunternehmen setzen noch höhere Anforderungen und leisten nur dann, wenn auch tatsächlich ein Terrorakt stattgefunden hat.
Der große Haken an diesem Versicherungstyp ist, dass er nur für Sach-, nicht aber für Personenschäden einspringt. Sie sind bei Veranstaltungen über eine Veranstalterhaftpflicht- und bei Firmengebäuden mit einer Betriebshaftpflichtversicherung abgedeckt.

Auch die Veranstalter des Münchener Oktoberfests schienen sich hinsichtlich einer möglichen Terrorgefahr Sorgen gemacht zu haben. Bereits 2002 wurde eine Terrorversicherung abgeschlossen. Bleibt zu hoffen, dass die immer schärferen Sicherheitsvorkehrungen von noch mehr Sicherheitspersonal bis hin zu noch intensiveren Personenkontrollen dazu führen, Anschläge auf dem größten Volksfest der Welt zu verhindern.

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