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„Grüne“ Geldanlagen: Halten sie, was sie versprechen?

Ökologisch und nachhaltig soll heute nach Möglichkeit von der Banane bis zum T-Shirt fast alles sein. Wenn dann auch das eigene Geld so angelegt werden kann, dass das Gewissen beruhigt und die Welt ein kleines bisschen besser wird, nutzen immer mehr Verbraucher diese Möglichkeit.

Der ökonomische Spagat: Geld ethisch sinnvoll, aber trotzdem gewinnbringend anlegen

Der Markt für ökologisch-ethische Geldanlagen ist bislang klein, wächst aber stetig. Das Problem: Es fehlen klare und eindeutige gesetzliche Standards für diese Geldanlagen. Daher sind Formulierungen wie „nachhaltig“ oder „klimaschonend“ in den Verkaufsprospekten keine Qualitätsmerkmale, sondern möglicherweise nur eine Form der Suggestion. Auch Gütesiegel werden nicht vergeben.
Kunden sollten sich eines klarmachen, bevor sie sich für eine Geldanlage entscheiden: Wem Ethik und ökologische Kriterien wichtig sind, der verzichtet auf einen Teil der sonst möglichen Rendite. Besonders deutlich zeigt sich dieses Phänomen beim norwegischen Staatsfond: Er wurde 1990 eingerichtet und investiert seitdem seine Einnahmen aus Erdölverkäufen in Anleihen, Aktien und Immobilien auf der ganzen Welt. Mit den Fondseinnahmen werden die Renten der Bürger finanziert. Die bislang insgesamt aufgebrachte Investitionssumme beträgt über 900 Milliarden Dollar, also pro Einwohner etwa 180.000 Dollar. In den Anfangsjahren wurde dort investiert, wo unter den Gesichtspunkten der Sicherheit und Stabilität eine jährliche Verzinsung von etwa vier Prozent zu erwarten war. Doch 2006 fand eine strategische Korrektur statt: Seitdem werden Unternehmen gemieden, die sich stark umweltschädigend oder korrupt verhalten oder sich nicht an die Menschenrechte halten. Auch Energieunternehmen, die mit Kohlekraftwerken arbeiten oder Firmen, die atomare Waffen oder Streumunition herstellen, werden von Investitionen ebenso ausgeschlossen wie Tabakfabrikanten (Quelle: http://etikkradet.no/en/excluded-companies/). Doch diese ethische Anlagenauswahl hatte ökonomische Folgen: Zwischen 2006 und 2016 sank die Rendite um 1,11 %, das entspricht 1,3 Milliarden Euro.
Was hier im Großen gilt, trifft auch auf private Anleger zu. Wer mit dieser Einschränkung leben kann und trotzdem auf ethisch-ökologische Geldanlagen setzen will, sollte allerdings genauer hinsehen, worin er sein Geld investiert.

Viel versprochen, wenig gehalten

Nachhaltige Fonds konnte man zu Beginn des Jahrtausends noch mit der Lupe suchen: 2001 gab es 50 dieser Investments mit einer Gesamtinvestitionssumme von 2,4 Milliarden Euro. Ihr Marktanteil lag bei 0,7 %. Das sieht heute ganz anders aus: Nach Angaben des Sustainable Business Institute (SBI) in Oestrich-Winkel waren zum Stichtag 31.03.2017 bereits 355 nachhaltige Investmentfonds registriert, für den gesamten deutschsprachigen Raum (D/A/CH) waren es 415 (Quelle: www.nachhaltiges-investment.org) mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Aktienfonds. Nur zehn Fonds sind allerdings so angelegt, dass sie sehr strengen ethischen Anforderungen genügen. Das ergab eine Datenauswertung des Südwind-Instituts für Ökonomie und Ökumene.

Der Umstand, dass die Politik sich bislang weitgehend damit zurückhält, diesen Dschungel zu lichten und die Institute zu zwingen, für Transparenz gegenüber ihren Kunden zu sorgen, macht die Wahl der richtigen ethischen Anlage schwer. Auch, dass zahlreiche Anbieter ihren oft ahnungslosen Kunden riskante Investments aus dem sog. Grauen Kapitalmarkt oder fragwürdige Beteiligungen an geschlossenen Wind-, Wald- oder Solarparkfonds empfehlen, nährt nicht das Vertrauen der Verbraucher in die Branche. Die Verbraucherzentralen haben das Problem erkannt und Marktübersichten und Handreichungen erstellt, die Kunden vor unliebsamen Überraschungen bewahren sollen. Hier wird auch auf die Anlagekriterien von Banken mit Nachhaltigkeitsstandards eingegangen.

Einer der wichtigsten Ratschläge lautet, sich genau anzusehen, in welche Firmen ein Fonds investiert. Wer sich die Mühe nicht machen möchte, die Zusammensetzung von Fonds selbst herauszufinden, kann ein Angebot der Stiftung Warentest nutzen: Gegen eine Gebühr von 3,-- Euro steht ein Produktfinder zur Verfügung, in den Nutzer ihre Anforderungen an ein ethisches Anlageangebot eingeben und die angezeigten Produkte miteinander vergleichen können (https://www.test.de/).

 

 

Finanznews Juli 2017
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