Ratgeber Versicherungen und Finanzen

Sind Fahrradversicherungen wirklich sinnvoll?

In fast jedem Haushalt gibt es mindestens ein Fahrrad. Fährräder werden für den Weg zur Schule, Uni oder zur Arbeit benutzt, mit ihnen werden Einkäufe transportiert und Ausflüge unternommen. Für viele Menschen sind sie auch Sportgeräte, deren Anschaffung oft mehrere 1.000 Euro kostet. Die aktuelle Verkaufsstatistik belegt die Beliebtheit dieses Verkehrsmittels: In Deutschland werden jährlich etwa 4 Millionen Fahrräder verkauft; 2015 waren es sogar 4,35 Millionen Stück.

Aber dort, wo insbesondere wertvollere Fahrräder abgestellt werden, finden sich auch unerwünschte Interessenten ein: Seit Ende der 1980-er Jahre liegt die Zahl der gestohlenen Drahtesel zwischen 300.000 und 370.000 pro Jahr. Dies sind nur diejenigen Fahrraddiebstähle, die bei der Polizei angezeigt wurden, die Dunkelziffer ist unbekannt. Die Aufklärungsquote liegt im Durchschnitt bei etwa 10 %, der (bekannte) Schaden bei 100 bis mehr als 120 Millionen Euro jährlich.

Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage: Lohnt sich eine Fahrradversicherung?

Entscheidend ist der Stellenwert, den das Fahrrad einnimmt
Bei einem sehr teuren Fahrrad liegt der Gedanke nahe, es gegen Diebstahl abzusichern. Mit steigendem Wert wird es immer wahrscheinlicher, dass das Fahrzeug entwendet wird. Wer sich für einen Versicherungsschutz entscheidet, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  1. Hausratversicherung
    Die meisten Hausratversicherungen beinhalten einen Fahrradschutz, der in den Fällen eintritt, wenn das Fahrrad nach der Benutzung zu Hause z. B. in einem abschließbaren Keller oder den Wohnräumen abgestellt wird. In einigen Hausratversicherungen ist auch eine Absicherung gegen Diebstähle außerhalb der eigenen Wohnung enthalten. Sie leisten im Schadensfall bis zu einer Grenze von 1 % der vereinbarten Versicherungssumme. Ist also Hausrat im Wert von 80.000 Euro versichert, sind die Fahrräder eines Haushalts insgesamt bis zu einem Betrag von 800 Euro abgesichert. Verbraucher können, sofern ihre Hausratversicherung noch nicht für Fahrräder eintritt, den entsprechenden Schutz zusätzlich vereinbaren. Mit ca. 50 Euro pro Jahr sind die Kosten hierfür überschaubar. Allerdings lohnt hier ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen: Die meisten Assekuranzen begrenzen die Versicherungsleistung für Fahrräder auch dann auf 5 % des versicherten Hausrats. Ist der Wert aller Fahrräder in einem Haushalt höher, sollte über die Alternative der Fahrradversicherung nachgedacht werden.

  2. Fahrradversicherung
    Eine spezielle Fahrradversicherung ist zwar teurer als ein Einschluss im Rahmen einer Hausratversicherung, sie schützt jedoch auch vor Schäden, die durch Vandalismus verursacht wurden. Die Höhe des Versicherungsbeitrags steigt mit dem Wert des versicherten Fahrrads und kann leicht einige 100 Euro pro Jahr erreichen. Es spielt jedoch auch eine Rolle, wo sich das Rad in der Regel befindet: Wohnt ein Verbraucher beispielsweise in Bremen und möchte ein Fahrrad  im Wert von 4.000 Euro ohne Elektromotor versichern, muss er mit einem Jahresbeitrag von bis zu 300 Euro rechnen. Ist der Versicherungsort Dresden, ist eine Police durchschnittlich um 20 Euro günstiger; in Saarlouis kann man dasselbe Fahrrad bereits für 200 Euro jährlich absichern. Der Grund für diese unterschiedlichen Tarife liegt u. a. in der Diebstahlquote.

Es gibt aktuell nur noch wenige Anbieter für Fahrradversicherungen, weil sich dieser Versicherungstyp nur für kostspielige Fahrräder empfiehlt, und durch die Zahl der entwendeten Fahrzeuge den Versicherern hohe Schäden entstanden sind. In der Branche geht man davon aus, dass so mancher gemeldete Diebstahl nur vorgetäuscht gewesen ist. Fahrradversicherungen werden in der Regel unmittelbar nach dem Kauf abgeschlossen, bei manchen Assekuranzen ist dies auch noch drei Jahre später möglich.

Für Besitzer von E-Bikes werden gesonderte Policen angeboten. Eine der neuesten ist aus einer Kooperation der Allianz Versicherung mit dem E-Bike- und Fahrradproduzenten „Derby Cycle“ entstanden, dem umsatzstärksten Fahrradhersteller Deutschlands. Zur Derby-Cycle-Firmengruppe gehören die Marken Kalkhoff, Raleigh, Univega, Focus und Rixe. Der Versicherungsvertrag wird direkt nach dem Kauf beim Fachhändler abgeschlossen. Sehr attraktive Elemente dieses neuen Angebots sind die Mobilitätsversicherung, die bei einer Panne die Kosten für die Heimfahrt mit dem Taxi oder der Bahn bis zu einem Fahrpreis von 250 Euro übernimmt, die dreijährige Absicherung gegen Defekte an Motor und Akku, die vollständige und verschuldensunabhängige Übernahme der Reparaturkosten nach einem Unfall und der vollständige Ersatz des Fahrzeugs im Falle eines Diebstahls. Der Verbraucher zahlt pro Schadensfall einen Selbstbehalt von 99 Euro.

Die Kosten für diesen Schutz sind vergleichsweise gering: Für die gesamte Vertragslaufzeit von drei Jahren kostet diese Fahrradversicherung für Fahrzeuge mit einem Kaufpreis von bis zu 3.000 Euro 199 Euro, bei einem höheren Kaufpreis 299 Euro. Nähere Informationen gibt es unter www.derby-cycle.com.

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