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Das taugen Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Zeitschrift Öko-Test hat sich in ihrer Ausgabe Juli 2016 den Möglichkeiten gewidmet, die Verbraucher außer der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) haben, um sich für den Fall abzusichern, nicht mehr arbeiten zu können. Das betrifft derzeit immerhin 25 % aller Arbeitnehmer. Viele von ihnen können nur noch weniger als drei Stunden pro Tag einer Beschäftigung nachgehen und erhalten deshalb die volle gesetzliche Erwerbsminderungsrente; ist eine Berufstätigkeit noch bis zu sechs Stunden täglich möglich, wird eine halbe Erwerbsminderungsrente gezahlt. Rentner, die auf dieser Grundlage Geld erhalten, verfügen im Durchschnitt über 719 Euro pro Monat. Dass hier eine Vorsorge sinnvoll ist, leuchtet ein.

Berufsunfähigkeitsversicherungen sind oft sehr teuer – Was taugen die Alternativen?

Eines sollte klar sein: Eine Versicherung ist kein Instrument der Wohltätigkeit, sondern mit ihr will eine Assekuranz Geld verdienen. Sie ist also ebenso eine Ware wie ein Brot oder ein Auto. So erklärt sich, dass Versicherungsunternehmen die Höhe der Prämien vom versicherten Risiko abhängig machen. Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung heißt die entscheidende Frage also: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Versicherungskunde in einigen Jahren seinen Beruf nicht mehr ausüben kann? Bei Büroberufen ist das Risiko relativ gering, entsprechend niedrig sind für sie die Versicherungsbeiträge. Ganz anders sieht es aus bei Dachdeckern oder Krankenschwestern und –pflegern im Krankenhaus: Sie werden mit ihrem Einkommen in der Mehrzahl nicht reich, von ihnen werden jedoch vergleichsweise hohe Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung verlangt.

  • Das kostet die Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Bürokaufmann
    Ein Check (Stand: 17.8.2016) brachte für einen 30-jährigen Bürokaufmann, der nicht raucht, keine Personalverantwortung hat, die BU bis zum 65. Lebensjahr abschließen und im Leistungsfall eine Rente von monatlich 1.500 Euro haben möchte, eine Beitragsspanne zwischen 52,34 Euro und 118,95 Euro pro Monat. Die Tarife ab 100 Euro enthielten zusätzlich einen Pflegeschutzbrief.

  • Das kostet die Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Dachdeker
    Tauscht man lediglich den Beruf des Bürokaufmanns gegen den des Dachdeckers aus, bekommt man die Erklärung dafür, warum sich ausgerechnet Arbeitnehmer mit einem besonders hohen Risiko, berufsunfähig zu werden, mit einer Versicherung zurückhalten: Dort sind 153,28 € der günstigste Tarif, der teuerste Versicherer verlangt sogar 526,01 Euro pro Monat.

Öko-Text hat die gängigsten Alternativen zur BU unter die Lupe genommen:

  • die Erwerbsunfähigkeitsversicherung
  • die Grundfähigkeitsversicherung und
  • die Schwere-Krankheiten-Versicherung (Dread-Disease-Versicherung).

Ganz konkret: die möglichen Varianten

Die Erwerbsunfähigkeitsrente (EU) führt in der Versicherungsbranche das Dasein eines Stiefkindes. Bei der Ankündigung von Öko-Test, das Angebot überprüfen zu wollen, nahm ein Versicherer seine EU sogar prompt vom Markt. Andere Assekuranzen bieten sie nur auf konkrete Nachfrage ihrer Kunden an. Sie ist allerdings eine Möglichkeit, sich gegen eine Berufsunfähigkeit zu versichern, wenn die BU nicht mehr infrage kommt. Das ist z. B. bei psychischen Erkrankungen der Fall, die in den Krankheitsstatistiken eine immer größere Bedeutung haben. Ist allerdings eine körperliche Einschränkung der Grund für eine frühe Verrentung, ist eine EU keine gute Lösung: Sie setzt voraus, dass der Versicherte gar keine Tätigkeit mehr mit mindestens drei Stunden pro Tag ausüben kann; mit einer psychischen Erkrankung ist dies hingegen in der Regel der Fall. Die Leistungen einer EU sind weniger umfangreich als die einer BU, sie sind allerdings auch preisgünstiger.
Verbraucherschützer sehen die EU grundsätzlich eher kritisch: Da Versicherte gezwungen werden sollen, jeden Job anzunehmen, ist der Weg bis zu einer Versicherungsleistung lang und steinig. Das maßgebliche Stichwort in den Versicherungsbedingungen lautet hier „abstrakte Verweisung“. Diese Formulierung macht es den Assekuranzen möglich, ihren Kunden auch dann Leistungen zu verweigern, wenn es auf dem Arbeitsmarkt gar keine freien Stellen gibt.
Im Detail scheiterten die meisten EU-Angebote an einer mangelhaften Absicherung für Versicherte ab dem 60. Lebensjahr oder zahlten nicht automatisch, wenn der Versicherte in die Pflegestufe I eingestuft wurde. Auch rückwirkende Zahlungen, wenn Kunden sich zu spät melden, sind bei etlichen Versicherungsunternehmen ausgeschlossen. Außerdem gab es kaum Möglichkeiten, die Rente ohne eine vorherige Gesundheitsprüfung zu erhöhen.
Dieses Manko wollen einige Versicherer mit neuen Versicherungsarten ausmerzen: Sie heißen klangvoll „Multi-Rente Balance“, „Multi-Protect“, „Grundfähigkeits-Schutzbrief“ oder „KörperSchutz-Police“ und wenden sich an Verbraucher, die keine BU abschließen können oder denen sie schlicht zu teuer ist. Ihr Anteil am Segment der sog. Invaliditätsprodukte der Versicherer beträgt bei den Neuabschlüssen magere 3 Prozent. Kundenakzeptanz sieht anders aus. Zu Recht?

 

Multi-Risk- und Grundfähigkeitsversicherungen lassen sich aufgrund ihrer strukturellen Unterschiedlichkeit nur sehr schwer miteinander vergleichen. Dementsprechend unterschiedlich ist auch die Kritik an diesen Versicherungsangeboten: Da gibt es Varianten, die auf einem Staffelbeitrag basieren, sodass die Beiträge in jedem Jahr ansteigen. Der Spitzenreiter ist eine sog. Lebensstandardversicherung, die Organschäden, Unfallfolgen, Krebs, Grundfähigkeiten und Unfallereignisse absichert.
Bei einem der Bausteine steigt der Monatsbeitrag von anfänglich 39 Euro innerhalb von 35 Jahren auf 494 Euro. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden diesen Umstand erst nach Jahren bemerken, ist groß; dass sie die Versicherung dann kündigen, wenn ihr Gesundheitsrisiko am größten ist, ebenso. Dann einen bezahlbaren neuen Versicherungsschutz bei einer anderen Assekuranz zu finden, dürfte vielen Verbrauchern schwer fallen. Sollte der Kunde jedoch trotz der hohen Beiträge bei der Stange bleiben, würden in 35 Jahren Beiträge in Höhe von mehr als 71.000 Euro zusammenkommen.
Leider stehen den teuren Policen keine hochwertigen Leistungen gegenüber: Die beste Versicherung erreicht eine Leistungshöhe von nur 70 %. Hinzu kommt, dass die Erkrankungshürden, die für eine Leistung überwunden werden müssen, so hoch sind, dass bei mehreren Versicherern nicht einmal eine Querschnittslähmung zu einer unverzüglichen Zahlung führt. Hier kann man sich fragen, wer ein solches Versicherungsprodukt überhaupt benötigt.

 

Was heißt das alles für die Verbraucher?

Hinsichtlich der Qualität der Absicherung sind BU so gut wie keine andere Invaliditätsversicherung. Versicherungsexperten raten allerdings, schon für Kinder eine BU-Option zu sichern, um die Beiträge für sie langfristig niedrig zu halten. In diesem Fall werden der normalerweise gute Gesundheitszustand und die kostengünstige Zuordnung zu einer Berufsgruppe gewissermaßen eingefroren.

Tipp:
Eltern sollten darauf achten, dass die Versicherungsbedingungen weder eine spätere Gesundheitsprüfung noch eine aktualisierte Berufsgruppeneinstufung enthalten, wenn das Kind berufstätig wird.

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