Ratgeber Versicherungen und Finanzen

Risikolebensversicherung Versicherungsvertreter mögen dieses Produkt zur Hinterbliebenenabsicherung nicht besonders: Durch die im Vergleich zu einer Kapitalversicherung oder fondsgebundenen Lebensversicherung deutlich niedrigere Prämie fällt ihr Verdienst eher spärlich aus. Dennoch ist die Risikolebensversicherung für viele Verbraucher eine äußerst wichtige Form der Absicherung – ganz im Gegensatz zur Kapitallebensversicherung. Folgender Personenkreis sollte eine Risikolebensversicherung mit einer individuell angepassten Versicherungssumme besitzen:

  • Junge Familien ohne finanzielle Rücklagen
  • Immobilienkäufer mit einer Baufinanzierung
  • Unternehmen, die von mehr als einem Inhaber geleitet werden.

 

Risikolebensversicherung für junge Familien

Der Sachverhalt liegt auf der Hand. Nach wie vor ist es weit verbreitet, dass es bei jungen Familien einen Hauptverdiener oder eine Hauptverdienerin gibt. Einer der beiden Elternteile investiert einen größeren Zeitaufwand in die Betreuung des Nachwuchses. Das Leben ist ein Risiko und der unerwartete Tod des Hauptverdieners nicht auszuschließen. Abgesehen von der Trauer in der Familie belastet der Einkommensverlust die Hinterbliebenen in ungeheurem Ausmaß.
Die Ansprüche aus der Witwen- und Waisenrente sind bei jungen Familien kaum ausreichend, um den Lebensstandard zu bezahlen. Der sofortige Einstieg des Hinterbliebenen in eine Vollzeitstelle ist oft nicht oder nur verzögert möglich. Diese Konstellationen machen eine Risikolebensversicherung unverzichtbar. Es darf dabei auch nicht vergessen werden, welche Kosten auf den Hauptverdiener zukommen, wenn der Partner verstirbt: Entweder kürzt er seine Arbeitszeit und nimmt damit Einkommenseinbußen in Kauf, oder er investiert in Kinderbetreuung und Haushälterin, um das Familienleben aufrechtzuerhalten. Vor diesem Hintergrund sollten daher beide Partner versichert sein.

 

Die Steuerfalle

Immer mehr Paare leben in Deutschland, mit oder ohne Kinder, unverheiratet zusammen. Verstirbt einer der beiden Partner, muss der Hinterbliebene auf das Erbe mindestens 30 Prozent Steuern zahlen - sofern er überhaupt im Zuge der gesetzlichen Erbfolge erbberechtigt ist. Der Freibetrag liegt bei lediglich 20.000 Euro. Im klassischen Versicherungsvertrag ist die versicherte Person auch Versicherungsnehmer und Beitragszahler. Der Partner ist der Begünstigte für die Todesfallleistung und gerät damit direkt in die Steuerfalle. Um das zu vermeiden, sollte der Begünstigte auch als Versicherungsnehmer und Beitragszahler in den Versicherungsvertrag eintreten. Verstirbt der Partner, erhält er die Versicherungsleistung aus den von ihm bezahlten Beiträgen und umgeht die Erbschaftssteuer. Diese Variante wird auch als verbundene Risikolebensversicherung bezeichnet.

Immobilienerwerber

Bei einer Baufinanzierung geht es fast immer um Beträge im sechsstelligen Bereich. Sie ist auf das Haushaltseinkommen abgestellt, entweder auf das eines oder zwei Erwerbstätigen in der Familie. Der Wegfall eines Einkommens lässt den Traum von den eigenen vier Wänden schnell platzen. Nur in seltenen Fällen kann der Hinterbliebene die Finanzierung allein tragen. Die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung reichen kaum aus, um ein Einkommen und die Hypothekenlast zu bewältigen. Diese Tatsache macht die Risikolebensversicherung zu einem Muss. Dabei kann die Prämie aber durchaus günstiger ausfallen: Eine Risiko-Lebensversicherung mit fallender Versicherungssumme, angepasst an den Tilgungsverlauf der Finanzierung, senkt die monatliche Prämie nachhaltig. Dieser Versicherung ist auch unter dem Begriff Restschuldversicherung bekannt.

Unternehmen

Wird ein Unternehmen von mehreren Eigentümern geführt, kann man davon ausgehen, dass jeder der Partner unterschiedliche Kompetenzen in die Unternehmensführung einbringt. Fällt einer von ihnen aus, entsteht ein Wissensvakuum, das in der Regel durch die Einstellung eines Mitarbeiters kompensiert werden muss. Dieser Kostenfaktor belastet das Unternehmen stärker als die Prämie für eine Risikolebensversicherung, die das Gehalt, zumindest für einen vereinbarten Zeitraum, für den einzustellenden Mitarbeiter übernimmt.

 

Ergänzungen zur Risikolebensversicherung

Welchen Stellenwert eine Berufsunfähigkeitsabsicherung in der Klassifizierung der Notwendigkeit von Versicherungen einnimmt, haben wir unter dem Menüpunkt Berufsunfähigkeitsversicherung beschrieben.
Die Risikolebensversicherung bietet die Möglichkeit, eine Berufsunfähigkeitszusatzsicherung (BUZ) einzuschließen.

In der einfachen Variante stellt der Versicherer den Vertrag bei Feststellung der Berufsunfähigkeit beitragsfrei, der Versicherungsschutz bleibt in voller Höhe bestehen.

In der erweiterten Variante zahlt das Unternehmen darüber hinaus auch noch die vereinbarte Rente. Bezüglich der Rentenzahlung und den beachtenswerten Hintergründen gilt das Gleiche wie für die allein stehende Berufsunfähigkeitsversicherung.

Für Risikolebensversicherungen gibt es keine steuerrelevanten Vorgaben wie für Kapitallebensversicherungen. Je nach Versicherer beträgt die Mindestvertragslaufzeit zwei oder drei Jahre. Die Prämie basiert auf dem Eintrittsalter der versicherten Person, der Laufzeit, der Versicherungssumme und dem Sachverhalt, ob die versicherte Person raucht oder nicht. Auch der Bildungsstand kann eine Rolle spielen. Viele Versicherer bieten gegen einen Aufpreis eine Verdoppelung der Versicherungssumme bei einem Unfalltod. Die Sinnhaftigkeit dieser Option bleibt dahingestellt.

 

 

© 2017 vv360.de