Ratgeber Versicherungen und Finanzen

Beamte sind nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt und unterliegen nicht der Pflicht, sich in der gesetzlichen Krankenversicherung anzumelden. Das hat einen einfachen Hintergrund. Das Beamtentum basiert auf dem Grundgedanken der Alimentierung durch den Dienstherrn für ein „Leben im Dienst“ des Dienstherrn. Aus diesem Grund erhalten Beamte auch keinen Arbeitsvertrag, sondern eine Ernennungsurkunde. Sie beziehen kein Gehalt, sondern Beamtenbezüge, die nach den Grundsätzen der Alimentierung berechnet werden. Darüber hinaus müssen sie sich nicht einfach nur an arbeitsrechtliche Grundsätze halten – sie leisten einen Eid, um in den Beamtenstand zu gelangen.

Aus diesem besonderen Verhältnis zwischen Dienstherrn und Beamten resultiert die Verpflichtung des Dienstherrn, für die Kosten der Gesundheitsversorgung des Beamten – zumindest teilweise – aufzukommen. Da hier also für eine Grundversorgung in Sachen Gesundheitsversorgung gesorgt ist, entfällt für Beamte die klassische Pflicht, sich in einer gesetzlichen Krankenkasse anzumelden.

Die Beihilfe zahlt mehr als die gesetzliche Krankenversicherung, aber es gibt Lücken

Als Beihilfeberechtigter stehen dem Versicherten mehr Leistungen zu als einem Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherungen, denn der Leistungskatalog der Beihilfe ist deutlich größer. Das Niveau liegt dabei eher auf dem einer guten privaten Krankenversicherung. Voraussetzung für die (teilweise) Übernahme der Kosten einer Behandlung ist dabei nur, dass sie beihilfefähig sind. In den wenigsten Fällen gibt es bei „normalen“ Behandlungskosten an dieser Stelle Probleme. Diese beginnen erst, wenn klar wird, dass die Beihilfe eben nur einen Teil der Kosten trägt. Da Beamtenrecht sowohl als Bundesrecht (für Bundesbeamte) als auch als Landesrecht (für die jeweiligen Landes- und Kommunalbeamten) daherkommt, sind die Sätze nicht in jedem Fall identisch. Allerdings gibt es einen Standardsatz, von dem nur wenige Dienstherren abweichen. So gelten für den Bund und in den meisten Bundesländern die folgenden Bemessungssätze:

 Personengruppe

 Bemessungssatz

Alleinstehender oder verheirateter Beamter mit max. 1 Kind 50 % der beihilfefähigen Kosten
Beamter mit mindestens 2 Kindern 70 % der beihilfefähigen Kosten
Beamter im Ruhestand 70 % der beihilfefähigen Kosten
Berücksichtigungsfähige Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner/in 70 % der beihilfefähigen Kosten
Berücksichtigungsfähige Kinder 80 % der beihilfefähigen Kosten


Berücksichtigungsfähig sind Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner dann, wenn sie nicht aus einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis heraus ohnehin bereits gesetzlich krankenversichert sind. Kinder sind dann berücksichtigungsfähig, wenn keine Möglichkeit der Familienversicherung über ein anderes Elternteil besteht.

Hier bleibt eine erhebliche Lücke, die es zu schließen gilt

Die Differenz kann teilweise recht groß sein. Wenn es beispielsweise um eine einfache Ärztliche Behandlung geht, ist der Anteil der Kosten, der nicht von der Beihilfe übernommen wird, noch nicht so riesig. Kommt es aber zu einer schwierigen Operation, wird ein Krankenhausaufenthalt nötig oder steht die Geburt eines Kindes und damit eine Entbindung an, kann sich das ganz schnell ändern. Aus diesem Grund ist es wichtig, den Teil der Kosten, der nicht von der Beihilfe aufgefangen wird, adäquat abzusichern. Das geht auf zweierlei Weise:

Die freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung

Diese Möglichkeit besteht dann, wenn man das erste Mal in ein Beamtenverhältnis eintritt und bis zu diesem Tag gesetzlich versichert gewesen ist. Wer sich zu diesem Schritt entscheidet, verzichtet damit automatisch auf die meisten Beihilfeansprüche. Denn die Beihilfe darf nicht zu einer Überdeckung der Kosten führen. Das wäre aber der Fall, wenn die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für eine Behandlung zur Gänze trägt und die Beihilfe anschließend auch noch einmal 50 % zuschießt. Nur in Fällen, in denen die gesetzliche Krankenversicherung nicht leistet, würde dann die Beihilfe mit einem entsprechenden Anteil einspringen. Diese Versicherungslösung eignet sich ehesten für Personen, die aufgrund schwerer Vorerkrankungen nur sehr beschränkten Zugang zu privaten Krankenversicherungen haben. Darüber hinaus kann diese Form der Versicherung sich lohnen, wenn die Familienplanung entsprechend aussieht. Denn auch wer in einer freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung ist, kann seine Kinder und seinen Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner hier in die Familienversicherung einbringen.

Eine beihilfekonforme private Krankenversicherung (pKV)

Diese Variante ist die gängigste. Einfach, weil die Leistungen der privaten Krankenversicherung in der Regel deutlich besser sind, als die der gesetzlichen Krankenversicherung. Wichtig ist dabei die Auswahl einer beihilfekonformen privaten Krankenversicherung. Diese berücksichtigt nämlich schon bei der Findung der Gebührensätze den Umstand, dass die Versicherung nur die Differenz zwischen Beihilfe und tatsächlichen Kosten tragen muss.

Während die private Krankenversicherung für einen Selbstständigen beispielsweise die Kosten für die gesamte Behandlung trägt, muss die beihilfekonforme private Krankenversicherung nur maximal 50 % aller Kosten tragen. Sind Kinder im Haushalt sinkt der Satz entsprechend weiter. Mit ihm natürlich auch die Kosten. Aus diesem Grund ist die beihilfekonforme private Krankenversicherung deutlich günstiger, als eine vergleichbare private Krankenversicherung mit ähnlich guten Leistungen und für eine Einzelperson auch günstiger, als die freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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